Kathrin Konze, Live aus Düsseldorf
Um mich herum ist der Babyboom ausgebrochen. Ich kenne derzeit allein acht Schwangere aus Familie, Freundeskreis und der Bürowelt. In manchen Firmen ruft man förmlich dazu auf, die Krisenzeit für eine Schwangerschaft zu nutzen. Ich für meinen Teil halte mich komplett raus aus diesem Kapitel. Vielmehr dienen mir meine wachsenden Ressourcen, um eine weitere Reise zu planen. Die Pflanzen auf meinem Balkon haben das Wachsen leider aufgegeben und ich muss wohl auf der Rheinkirmes zur Blumenlotterie.
„Und, hast Du Dich schon entschieden, wie Du es machen willst?“ – „Also PDA ist für mich das letzte Mittel! In der Badewanne wäre schön, dann bekommt man es direkt ohne Käseschmiere auf die Brust gelegt!“ Aha! So viel wollte ich gar nicht wissen, aber schön dass Du so offen bist. Bei der Unterhaltung mit einer oder mehreren Schwangeren, wird von Dir als junge Frau ein gewisses Grundwissen erwartet.
Ich höre hinein in Gespräche, die mir so fremd sind, wie eine Diskussion über Diffuse Emissionen. Im Prinzip weiß ich, wie sie entstehen und was dabei raus kommt, aber damit ist mein weibliches Halbwissen auch schon erschöpft. Trotzdem gewöhne ich mir eine mitfühlend, begeisterte Mimik an, um nicht teilnahmslos zu wirken. Und mit ganz großer Sicherheit bekommt man dann den Satz zu hören, den alle Singlefrauen hassen wie brüchige Fingernägel: „Als nächstes bist Du dann bald mal dran!“
Nein, bin ich nicht! Ich habe andere Pläne! Während Ihr die lieben Kleinen stubenrein und schulreif peppelt, werde ich noch einige Flugmeilen sammeln. Denn obwohl ich dachte in diesem Jahr kein Flugzeug mehr von innen zu sehen, habe ich schon wieder Tickets gebucht. Um die Melancholie des grauen Herbstes so richtig auszuleben, fliege ich in die Mitte Englands. Dort werde ich Robin Hood und die dort studierende JSP besuchen.
Doch erst genieße ich ein paar sonnige Sommertage. Leider gab es davon bis jetzt zu wenige und meine Balkonpflanzen verweigern die Photosynthese. Bei dem Lavendel meiner Schwägerin ist der Dopingverdacht bereits bewiesen. Mein Lavendel hält sich in blassem öko-lila. Basilikum und die restliche grüne Bande auf meinem Zwergenbalkon, sind jedoch auf dem sicheren Weg in die Tonne. Am Wochenende beginnt endlich die große Kirmes am Düsseldorfer Rheinufer. Einem dieser seltsamen Blumen-Ständen werde ich dann einen Besuch abstatten. Vielleicht kann ich mir da so ein neues, grünes Teilzeitbaby aneignen.

Ich habe es wirklich versucht!
Ursprünglich als Reiseblog gedacht, blogt Kathrin nun aus Ihrer Wahlheimat Düsseldorf.Geprägt von Ihrer Zeit in Neuseeland erlebt sie als junge Stadtpflanze allerhand bunte Geschichten im Rheinland. Lest selbst, gebt Kommentare und Anregungen ab. Vielleicht trefft Ihr sie bald mal im Düsseldorfer Nachtleben, am Rhein oder auf Skates.