Auf meinem Reclam Heftchen klebt ein Bravo Sticker mit Titanic Motiv. Ich mochte die Story von Kabale und Liebe schon im Deutsch LK sehr. Gestern durfte ich dann im Düsseldorfer Schauspielhaus die Inszenierung von Andreas Kriegenburg sehen. Natürlich rafft es auch hier die 16jährige Millerin am Ende hin. Das Spiel war ganz fabelhaft und kurzweilig. Die danach folgende Vorstellung auf der Bolker Straße war dagegen das reinste Kindertheater.

„Und liebt mich meine Luise noch? Mein Herz ist das gestrige, ist´s auch das deine noch? Ich fliege nur her, will sehn, ob du heiter bist, und gehen und es auch sein – Du bist´s nicht.“ Wann hört man so was heutzutage schon noch? Dank Fräulein X kam ich an eine Karte für Reihe 4 im Düsseldorfer Schauspielhaus. Hier gaben sie das Stück vom alten Schiller, Kabale und Liebe.

Die Schauspieler traten mal laut mal leise auf, mit Kraft und Ausdauer. Der Wurm wird mit viel Witz direkt im Doppelpack gespielt und der Major tritt wie eine arrogant verzogene Göre auf. Das Bühnenbild wird mit riesigen, wehenden Seidenvorhängen zum Leben erweckt. So treten Ferdinand und Luise auf, als wären sie von ihren eigenen Gedankenwolken geschützt. Luise wird letztlich gezwungen einen Brief auf den wabbelnden Bauch des Wurm zu kritzeln und so muss alles ein tragisches Ende nehmen.

Eigentlich taugt die Story für eine Hollywood Schnulze, nur eben ohne Happy End. Die Szenen, die sich mir nach dem Theater boten waren eher für eine Sozialstudie des Doktor Sommer Teams geeignet. Selbst schuld, wenn man sich für nur einen Drink auf die Bolker Straße wagt. Im Mississippi wurden dem Fräulein und mir zwei Cocktails von der netten Kellnerin angeschwemmt. Meiner hatte nur wenig Sunrise im Tequila. Als wir dann noch von einer Horde entlaufener Franken mit einer Rose beschenkt wurde war klar, es ist Zeit zu gehen.

Der Freitagabend in Düsseldorf bietet sein ganz eigenes Schauspiel. Selbst auf dem Heimweg in der Straßenbahn höre ich die junge Peggy Bundy in ihr Telefon sprechen: „Hallo? Halloo? Ey, willse mich va arschen? Hallo mann!?…Ey, was?…Am Kirschplatz mann!“ Muss Liebe schön sein!