Kathrin Konze, Live aus Düsseldorf
Schlimm genug eine Woche krank zu sein, zieht man sich gleich noch sämtlichen TV Schrott rein, den Deutschland so zu bieten hat. Ganz hoch im Kurs stehen bei mir die Wahlwerbespots zur Europawahl. Tut nicht so unbeteiligt! Auch Ihr habt die Wahlbenachrichtigung in der Post gehabt. Als ich Ende der Woche wieder ohne Schmerztabletten schlucken konnte, habe ich mich auf ein virtuelles Abenteuer eingelassen. Ich habe mich bei der Online Singlebörse eines sektorbekannten Radiosenders angemeldet.
Kennt Ihr den kleinen verzogenen Jungen aus der Werbung, der lieber bei Paul aufs Klo geht, wenn er groß muss? Und die Mama erlaubt es ihm! Meine Frage an die Kreativagentur: Denkt Ihr Eure Geschichten auch zu Ende? Was wird aus dem Jungen, wenn er später mit seiner Freundin zusammen zieht? Geht der dann immer noch zu Paul aufs Klo, weil er keine Lust hat im Haushalt zu helfen und das Klo sauber zu halten?
Großartig sind auch die Wahlwerbespots zur Europawahl. Immer zu Sendezeiten ausgestrahlt, an denen nur gelangweilte oder, wie in meinem Fall, kranke Leute vor dem Fernseher hängen. Ganz großer Lacher ist der Spot der Rentnerpartei. Die Rentner im Europarlament? „Das kann nicht sein!“, denke da auch ich. Ich orientiere mich statt an den zweifelhaften Spots lieber im Internet: www.wahl-o-mat.de/europa
Ende der Woche konnte ich endlich klar schlucken und denken. Zu Recherchezwecken und aus Lagerkoller-Langeweile meldete ich mich beim liebesalarm an. Kaum hat man das Profil erstellt, findet man ca. 80 Emails von jungen Kerlen im Alter zwischen 24 und 35 in seiner Inbox. So viel Kontakt zu fremden Männern hatte ich zuletzt als Teen in der Mausefalle.
Schnell muss eine Strategie her, um diese Response zu bewältigen. Alle unter 28 Jahren und alle, deren Foto mir nicht gefällt werden direkt gelöscht. Meldet sich der gleiche Typ ungefragt erneut zu Wort, landet er in meiner „Die Ignorierten” Liste. Die anderen wie z.B. „KisteBier“, „WahnsinnsTyp“, „Colognestar“ oder „Rheinfire“ erhalten die Chance, dass ich mir ihre Kurznachricht durchlese. Auch da gibt es wieder viele Gründe direkt zu löschen.
Mein Nickname stammt, nicht verwunderlich, aus meiner Lieblingsserie. Ich werde jetzt munter mit den Kerlen chatten und vielleicht meinen Mr. Big treffen. Da braucht Ihr gar nicht die Nase zu rümpfen. Es ist kein urbaner Singlemythos, dass man im Internet einen Partner finden kann. In meiner Verwandschaft gibt es ein Ehepaar mit zwei Kindern, die sich online kennen gelernt haben. Selbst die 64jährige Dame aus einer WDR Reportage macht ihre Verabredungen übes Netz klar. Das ist für mich Motivation genug.
Ursprünglich als Reiseblog gedacht, blogt Kathrin nun aus Ihrer Wahlheimat Düsseldorf.Geprägt von Ihrer Zeit in Neuseeland erlebt sie als junge Stadtpflanze allerhand bunte Geschichten im Rheinland. Lest selbst, gebt Kommentare und Anregungen ab. Vielleicht trefft Ihr sie bald mal im Düsseldorfer Nachtleben, am Rhein oder auf Skates.