Die Jazz Rally in Düsseldorf durfte ich am Samstag von ganz außergewöhnlicher Stelle betrachten. Auf einer Terrasse, noch über Jan Wellem tronend. Der Sonntag stand unter sportlicheren Sternen und meine neuen Inliner wurden einer Testfahrt unterzogen. Die überlassenen Eintritt-Buttons meiner Exkollegin Madame M, konnte ich am Abend leider nicht so einsetzen wie erhofft.

Ein Samstagabend Ende Mai in der Düsseldorfer Altstadt gleicht meist einem Betriebsausflug zum Sauerlandstern. Gefühlte fünfhundert Junggesellenabschiede verkleben das Kopfsteinpflaster mit ihren Bauchläden und nie zuvor gesehenen Kostümierungen. Die wilden Truppen lassen sich auch von einer Jazzveranstaltung nicht bremsen.

So schlenderte Elvis, der King, ganz unbeeindruckt vorbei an den experimentellen Klängen des spanischen Wettbewerbsiegers „My friend Marcko“. Für mein Gehör konnte sich der gute Marcko nicht entscheiden, ob er lieber beeindrucken oder gefallen will. In der Umbaupause gackerten etliche Hühner, Bunnys und Matrosen samt Gefolge über den Platz. Die laut Programm „beste tschechische Jazzsängerin“ stimmte zur Primetime diverse Liedchen an.Ein Viertel des Rathausplatzes schien begeistert. Der Rest freute sich lautstark über den Sieg von Werder Bremen.

Am Sonntag Vormittag war Madame M so freundlich, mir ihre Rally Buttons zu überlassen. Bevor ich jedoch meinen Gehörgang in Schwingung versetzen wollte, stand eine erste Testfahrt mit meinen neuen Inlineskates an. Kurz bei JSP vorbei, dann ging es zusammen auf die geteerten und gepflasterten Wege des Volksgarten. Die Autobahnbrücke war leider zu steil für meine schnellen Kugellager und ich kam zu Fall. Nein, keine Protektoren, ja, Kratzer an Ellbogen und Knie!

Am Abend musste ich feststellen, dass all meine verpaarten Freunde schon etwas anderes vorhatten und Single Fräulein X sich zum Lernen in das sturmfreie Elternhaus verzogen hatte. So ging ich alleine in die Stadt, um mir ein Konzert auf dem Burgplatz rein zu ziehen. Vor Ort herrschten Zustände, wie auf dem Oktoberfest! Wer um halb zehn morgens nicht im Zelt ist, kann sich in die Schlange stellen. Diese reichte fast bis auf den Rathausplatz!

Abregen, Crepe essen, dazustellen. Auf dem Rathausplatz sang Julia Wendel mit der Brass´n Beat Machine. The Lady is a tramp! Singen kann sie und hübsche Hüte tragen auch. Ein zweiter Versuch doch noch in das Zelt am Burgplatz zu gelangen, schlug fehl. Ich stellte mich zum Mithören an eine Seitenwand. Der Funk Sound von Nils Landgren überzeugte mich und die umstehenden Ausgesperrten. Stehen bleiben, mitwippen und um Zugabe hecheln? Nein. Die Optik von begeisterten, knutschend tanzenden Paaren um mich herum, trieb mich bald wieder in meine vier Wände.