Rotorua liegt ungefähr drei Stunden südlich von Auckland. Vieles erinnert mich an Bad Neuenahr, wenn da nicht dieser Gestank in der Nase und der Blick auf den See wäre. Auf die übliche Muffinpause verzichte ich heute und gönne mir stattdessen ein Bad im Polynesian Spa.
Leider bin ich heute später losgekommen, als geplant. Ich durfte nämlich, nur mit Handtuch bekleidet, den Telekom-Arbeitern die Tür öffnen, die derzeit alle Oberleitungen abmontieren. Ich überlies sie ihrem jungen Schicksal und fuhr gegen elf Uhr ab.

Autofahrer warnen sich hier übrigens auch gegenseitig, wenn auf der Strecke eine Polizeistreife steht. Ich war froh, die Lichthupe richtig gedeutet zu haben, denn mit 160 Pferdchen unter der Haube und den Supremes im Ohr fährt man schon ziemlich zügig. Jedenfalls komme ich ohne Knöllchen und ohne Muffin in Roturua an.

Erster Eindruck: Es stinkt modrig nach verschimmelten Eierschalen. Ich laufe durch den Kuirau Park und schaue mir die sprudelnd, dampfenden Schlammteiche an. Weiter Richtung Seeufer zu einem großen Maori Versammlungshaus und der St Faiths Church. Hier kann man der Predigt zuhören und aus dem Fenster auf den See schielen. Allerdings barfuß, denn die Schuhe muss man vor der Kirche ausziehen. Am schönsten finde ich das Gebäude des Museums im Kolonialstil mit einem riesigen Bowling Green davor. Schade nur, dass mal wieder dicke Regentropfen vom Himmel fallen.

Es gibt hier mehrere Badehäuser mit Thermalquellen. Da ich die nächsten drei Wochen zwischen Bus und Backpacker Hostels verbringe, entscheide ich mich für einen Besuch im Polynesian Spa. Rein optisch wird viel geboten: Mehrere kleine Thermalwasser Pools, zwischen 38 und 42 Grad warm mit freiem Blick auf den See. Meine restlichen Sinne brauchen deutlich mehr Zuspruch, um die versprochene Entspannung zu finden. Das Wasser der „Priesterquellen“ stinkt und es hilft nichts, dass man unter freiem Himmel badet. Außerdem schwimmen seltsame kleine Algenteilchen im Wasser. Ein Pärchen im Becken neben mir turtelt fröhlich und ausgiebig. Was ist an dieser stinkende Brühe romantisch? “Die müssen frisch verliebt sein!”, denke ich und habe für heute genug gebadet.

Die Erinnerung an Bad Neuenahr kommt schnell wieder auf, als ich erkennen muss, dass die Geschäfte hier um 17:30 Uhr schließen. Es ist eben ein hübsches, aber echt kleines Thermalörtchen.

Ich schlafe heute Nacht in einer Gefängniszelle. Jedenfalls war das mein erster Gedanke, als ich mein Einzelzimmer gesehen habe. Im Hinblick auf meine Busreise, habe ich mir das nämlich auch gegönnt (für ca. 15 Euro). Die „Spa Lodge“ ist ein ruhiges, kleines, altes Backpacker zusammengesetzt aus kleinen Holzbuden. Ich denke, mein Schlaf wird ruhig, aber kurz sein. Hier hält mich nicht viel und morgen will ich nach Mount Maunganui.