Der Waitangi Day ist für die Neuseeländer ein besonderer Tag. Jedenfalls für Geschichts- und Politikinteressierte. Für alle anderen ist es im Jahr 2009 ein gewöhnlicher „public holiday“. Der Prime Minister und andere Persönlichkeiten treffen sich zu einer Gartenparty im Government Haus. Bedient werden sie dabei von netten Hostessen im Stiftrock.

Der Wai-was-für-ein-Tag? Waitangi ist ein Ort in der Bay of Islands. 1840 hat James Busby, der Vater des Australischen Weins hier sein Grundstück zur Verfügung gestellt. Ein Vertrag wurde unterzeichnet. Von nun an sollte Neuseeland ein Teil Großbritanniens sein und die Maoris britische Rechte erhalten. Ich schätze, es wurde nach der Unterzeichnung mit viel Wein gefeiert, denn am Tag danach konnte sich keiner so recht erinnern, was nun genau im Vertrag stand.

Heutzutage feiert man den „Treaty of Waitangi“ als Gründungsdokument. Darum gibt es z.B. morgen eine Gartenparty im Government House mit dem Prime Minister, dem Generalgouverneur und einigen VIPs. In dieser alten Familienvilla übernachtet übrigens auch die Queen, wenn sie die Kiwis besucht. Jedenfalls ist es laut meiner Jobagentur eine Ehre bei dieser Party mitzuarbeiten.

Um dieser großen Ehre auch gerecht zu werden, durfte ich mir heute erstmal einen knielangen, schwarzen Stiftrock kaufen. Die zaghaften Versuche, meine persönliche Rockphobie abzulegen, werden quasi mit dem Holzhammer zerschlagen. Ein solches Teil habe ich zuletzt zu meiner Konfirmation getragen. Und es gab Gründe dafür, dies nicht zu wiederholen.

Da uns die anwesenden TV Kameras jederzeit filmen werden, soll natürlich alles einheitlich, hübsch und adrett aussehen. Dass ich den 1 ½ Satz des Mindestlohns erhalte, scheint mir jedoch ein zu geringes Schmerzensgeld für den Rock- und Strumpfhosenzwang. Gespannt bin ich trotzdem auf das Gebäude, das Publikum und das Treiben der erlesenen Gesellschaft.