Kathrin Konze, Live aus Düsseldorf
Bamberg: Die Stadt mit der höchsten Brauereidichte Deutschlands und Weltkulturerbe zugleich. Klingt nicht nur vielversprechend, sondern ist in der Tat mehr als sehenswert! Das Event des Jahres, die Kerwa, wird jeder Karneval erprobte Rheinländer schnell in sein Herz schließen. Die Stimmung ist gut, das Bier ist süffig.
Mittwoch Nacht in Bamberg am Hirschknock gelandet sind wir Donnerstag direkt mal früh zum Sightseeing gestartet. Meine wunderbare Reisebegleitung und „native speakerin“ JSP zeigte mir die Highlights: Der Dom mitsamt seinem Reiter, alte und neue Residenz mit dem Rosengarten. Das alte Rathaus mit der „vierbrüstigen Frau“, das neue Rathaus, das E.T.A. Hoffmann Haus, klein Venedig, den Michelsberg und natürlich die Sandstraße. Dies alles sahen wir in einer Geschwindigkeit, die wie ich finde unserem Alter entsprach, nämlich flott.
Ganz nebenbei wurden mir dabei auch schon die ersten Kenntnisse über das Nachtleben vermittelt. Ich lernte, wo die Pfadfinder ihre Partys feiern, dass „Mondschein“ eher nicht das beste Publikum anzieht und, wo der Tourist das Rauchbier trinkt. Übrigens schmeckt das gar nicht so schlecht wie in „Resturlaub“ beschrieben.
Freitag unternahmen wir eine Radtour durch den Hain, den Landschaftsgarten der Stadt. Nach gefühlten 20 Portionen „Klos mit Sos“ zum Mittagessen im Bootshaus radelten wir weiter unsere Biere vom Vorabend ab und ich lernte, wo die „schönen und reichen“ ihren Tennisclub haben. Schloss und Park Seehof bei Memmelsdorf war am Samstag unser letztes kulturelles Highlight. Dort schauten wir uns die Wasserspiele an und nutzten die wunderschöne Parkanlage für unsere ganz spezielle Fotoaction. Dabei machten wir eine deutlich bessere Figur, als das anwesende Brautpaar.
Und jetzt zum Nachtleben: In der Sandstraße und auf dem Katzenberg tobt zur Kirchweih Bambergs Bär! Die Sandstraße kann man sich so vorstellen, wie Düsseldorfs Ratinger Straße nur eben mit so vielen Menschen gefüllt, wie in Köln zu Weiberfastnacht in der Altstadt sind! Besonders gut fand ich, dass viele Galerien und Läden ihre Lokale geräumt haben und individuelle Partylocations entstanden. Wir tranken und tanzten im „Stilbruch“ und an der „Piratenbar“. Weniger gut, dass alle Kneipen dort spätestens um Mitternacht schließen müssen, damit die Sandbewohner in ihrem alltäglichen Schlafrhythmus nicht gestört werden. Typisches Argument hier: “Des kannst net machen, weil des geht echt net!”. Beim Karneval hätte man an dieser Stelle gesagt: “Et hät noch immer jot jegange!”
Das brachte mich zu der Frage, ob die Party damit schon vorbei ist! Nein, ich kann Euch beruhigen, die Party ist damit noch lange nicht vorbei. Es gibt eine Menge „After Sand“ Partys. Und jetzt kommen wir zum wirklichen Kern der Bamberger Nächte. Die Gemüter streiten sich, welche Location nun „pseudo“, langweilig, assig oder wirklich gut ist. Gesehen und gentanzt habe ich mit JSP, ihrem Bruder und Freunden im „CM“. Hier kommt man im Rest des Jahres nicht mit Turnschuhen rein und geraucht werden darf dort auch nur zur Kerwa. Wenn man dann so lange getanzt hat bis man eigentlich nicht mehr kann, checkt man noch eine Runde die Locations ab, die man bis dahin verpasst hatte. Dabei trafen wir im umgebauten Restaurant, im Beach, auf ein bekanntes Trüppchen. Einer der Helden hatte Geburtstag und das war Grund für uns zu bleiben und noch mal ordentlich zu tanzen.
Nach drei Tagen mit Kulturprogramm am Tag und Partyprogramm in der Nacht habe ich ein umfassendes Bild aus der Genussregion Deutschlands mitgenommen. Die Landschaft ist wirklich schön, Bamberg lebendig und freundlich und das Bier verträgt man wunderbar ganz ohne Kopfschmerzen. Achja und die Männer? Zurückhalten, aber durchaus gentle und charmant!
P.S.: Vielen Dank an JSP, die nicht nur für mich musiziert hat, sondern mir auch viele tolle Leute vorgestellt und Ihre Heimat mal ganz lässig ins beste Licht gerückt hat!
Ursprünglich als Reiseblog gedacht, blogt Kathrin nun aus Ihrer Wahlheimat Düsseldorf.Geprägt von Ihrer Zeit in Neuseeland erlebt sie als junge Stadtpflanze allerhand bunte Geschichten im Rheinland. Lest selbst, gebt Kommentare und Anregungen ab. Vielleicht trefft Ihr sie bald mal im Düsseldorfer Nachtleben, am Rhein oder auf Skates.